Baumkirchen Agenda-Vorbild
Im Jahr 2022 startete die Tiroler Gemeinde Baumkirchen einen partizipativen Prozess zur Weiterentwicklung des Ortes. Zahlreiche Beteiligungsformate fanden statt und die Impulse daraus wurden mit der fachlichen Planung verschnitten. Daraus resultierte ein Masterplan, der auf 10 Jahre ausgelegt ist und sämtliche Dimensionen für die Bevölkerung integriert, von Mobilitätsfragen über Neugestaltung des Dorfkerns bis hin zur Leerstandsnutzung. Damit soll die östlich von Innsbruck gelegene Gemeinde noch lebenswerter werden.
Inhaltsverzeichnis

Kurzprofil zur Gemeinde
Baumkirchen ist eine Gemeinde mit circa 1.300 Einwohnern im Inntal und gehört zum Bezirk Innsbruck Land. Da in Baumkirchen kaum Gewerbebetriebe angesiedelt sind, handelt es sich um eine Wohngemeinde 17 Kilometer östlich von Innsbruck. Aufgrund der zentralen Lage und der guten Anbindung an die S-Bahn ist Baumkirchen eine sehr gefragte Wohngemeinde für junge Familien. Der dörfliche Charakter zeigt sich in zahlreichen, gut erhaltenen Bauernhöfen mit Streuobstwiesen, einem stattlichen traditionellen Gasthaus mit Veranda am Dorfplatz, Fußläufigkeit und charmanten Details wie Hausbänken und künstlerisch gestalteten Hauseingängen und Malereien. Baumkirchen steht für Natur, Tradition und Familie.
Struktur und Personen
- Kernteam vor Ort
Bürgermeister Josef Schindl, Vizebürgermeister Bernhard Derfeser, GVin Beate Steinlechner, GV Harald Tschenett, GV Andreas Hoppichler, GRin Verena Mayr, GR Paul Messner, GR Simon Hauswurz, Amtsleiter Werner Hintner
E-Mail: amtsleiter@baumkirchen.gv.at - Prozessbegleiter:innen: interdisziplinäres Team
- Mag. Rainer Krismer, Beratung Krismer, Innsbruck (Prozessbegleitung)
E-Mail: beratung@krismer.cc
krismer.cc - Mag.a Ruth Buchauer, u1coop, Innsbruck (Prozessbegleitung)
E-Mail: ruth.buchauer@ueins.at
ueins.at/coop - Architekt DI Norbert Buchauer, u1architektur, Innsbruck (Fachliche Begleitung)
E-Mail: architektur@ueins.at
ueins.at/arch
- Mag. Rainer Krismer, Beratung Krismer, Innsbruck (Prozessbegleitung)
- LA21-Leitstelle im Bundesland
DIin Diana Ortner, Abteilung Bodenordnung, Geschäftsstelle Lokale Agenda 21
E-Mail: bodenordnung@tirol.gv.at
Prozessverlauf
Ausgangssituation und Zielsetzung
Im Herbst 2022 wurde der Prozess „Lebenswerte Entwicklung für Baumkirchen“ zur umfassenden Neugestaltung des Ortskerns gestartet, welcher von einem interdisziplinären Team, den Prozessbegleiter:innen Rainer Krismer und Ruth Buchauer sowie dem Architekten Norbert Buchauer von u1architektur extern begleitet wurde.
Ziel war es, unter intensiver Einbindung der Bevölkerung einen Masterplan zu erarbeiten, der die Grundlage für die weiteren Entwicklungen in Baumkirchen bilden sollte.
Dabei wurden vier Dimensionen in den Blick genommen:
- Gebäude und öffentlicher Raum: Wie können das Gemeindeamt barrierefrei gestaltet und die teilweise leerstehende, alte Volksschule neu genutzt werden? Wo können Vereine und Jugendliche Platz finden? Wie kann der Ortskern ein attraktiver Treffpunkt für alle werden?
- Infrastruktur: Wie können Nahversorger, Gasthaus und Gastgarten mit Veranda langfristig gesichert werden?
- Verkehr: Wie kann der Dorfkern verkehrsberuhigt und für alle Verkehrsteilnehmer:innen sicher gestaltet werden?
- Energie, Klima und Nachhaltigkeit: Wie kann Photovoltaik gefördert und die Beheizung der öffentlichen Gebäude verbessert werden?
Prozessdesign und Ablauf
Die partizipative Erarbeitung des Masterplans erfolgte durch einen vielschichtigen, moderierten Dialog zwischen Expert:innen und Betroffenen. Innerhalb eines halben Jahres wurden unterschiedliche Beteiligungsformate durchgeführt und die daraus entstehenden Impulse konsequent in die fachliche Konzeption eingearbeitet.
- Bestandsaufnahme zu den Objekten und Flächen in der Gemeinde
- Visions-Workshop mit verschiedenen Nutzergruppen, Vereinen, Gemeindevertreter:innen und Jugendlichen
- Abend-Workshop zur Zukunft der Gastronomie im Dorf
- Abstimmungs-Workshop mit Verkehrsplaner „Sichere Mobilität für alle“
- Schrittweise Entwicklung und Integration in eine Machbarkeitsstudie und einen Masterplan für das Ortszentrum von Baumkirchen
- Bürger:innen-Café: Präsentation des Masterplans und Feedback der Bevölkerung
- Finalisierung des Masterplans inkl. Raumprogramm, Verkehrslösungen, Maßnahmenplan und Stufenplan für schrittweise Umsetzung
- Workshop und Beschluss im Gemeinderat
- Öffentliche Gemeindeversammlung: Präsentation, Rückmeldung und Feiern
- Start der Projektumsetzungen
Das Ergebnis des intensiven, partizipativen Prozesses ist ein auf zehn Jahre angelegter Maßnahmenplan, der auf einem gesamtheitlichen Zukunftsbild der Bürger:innen für ihre Gemeinde aufbaut und sämtliche Dimensionen integriert.
Im Masterplan wurden zeitliche Priorisierungen festgelegt und die nötigen Vorbereitungs- und Ausführungsphasen für die einzelnen Projekte, die sich teilweise überlappen, konkret dargestellt. Dadurch verfügt die Gemeinde über einen soliden und realistischen Fahrplan für die schrittweise Umsetzung der gewünschten Projekte in den nächsten zehn Jahren.

Projekte und Aktionen (Auswahl)
Dorfwerkstatt
Um der Baumkirchner Bevölkerung die Möglichkeit zu bieten, sich über Fortschritte des Dorfentwicklungsprozesses zu informieren und diesen auch selbst mitzugestalten, wurde in der alten Volksschule eine „Dorfwerkstatt“ eingerichtet. Hier wurden bereits ausgearbeitete Info-Plakate der einzelnen Workshops aufgehängt und interessierte Dorbewohner:innen können in den Masterplan Einsicht nehmen. Auch für kleine Veranstaltungen wie Workshops bietet der Raum mit dem Modell des Ortes ein anregendes Ambiente.
Zwischennutzung „Kramerhof“
Nachdem es der Gemeinde im Zuge des Prozesses gelungen ist, den leerstehenden „Kramerhof“ zu erwerben, soll dieser als Zwischennutzung für den Jugend- und Kulturbereich umgebaut werden. Dazu wurden bei einem weiteren Workshop mit Jugendlichen und Kulturschaffenden deren Anregungen und Nutzungsideen eingeholt. Nun liegen Konzept und Planung für die Adaptierung vor.
Umbau alte Volksschule
Für die alte Volksschule wurde ein Raumkonzept erstellt, wobei es wichtig war, sowohl für die Verwaltung als auch für die betroffenen Vereine genügend und für alle zugänglichen Platz zu schaffen. Auf Basis des Raumkonzepts wurde anschließend von u1architektur die erste Studie erstellt, um den Zustand des alten Gebäudes zu überprüfen und eine Umsetzung der Ideen und Wünsche der Bevölkerung mit einzuplanen.
Mobilitätsplanung
Erste Überlegungen gab es zur Verbesserung der Fußgängersituation innerhalb des Ortes durch Erweiterung der Gehsteige bzw. der Errichtung einer direkten Fußverbindung entlang des Dorfbaches zwischen Bahnhof und Dorfzentrum.
Im Zuge der Neugestaltung des Dorfplatzes soll eine verkehrsberuhigte Zone entstehen. Mit dieser Maßnahme wird versucht, den Durchzugsverkehr einzudämmen und mehr Aufenthaltsqualität im Ort zu schaffen.
Mitfahrbankl
Die Idee der Mitfahrbänke wurde im Rahmen des Dorfentwicklungsprozesses geboren und von den eigenen Gemeindearbeitern in Eigenregie gebaut und bereits in Baumkirchen, aber auch in der Nachbargemeinde Volders, aufgestellt. Ein Mitfahrbankl bietet eine praktikable Möglichkeit für eine Mitfahrgelegenheit an, fördert gleichzeitig Begegnungen und Gespräche sowie Fahrgemeinschaften. Durch die Kooperation mit der Nachbargemeinde wird diese Idee auch über die Gemeindegrenzen hinweg bekannt gemacht.
Ausblick
Die Gemeinde Baumkirchen ist nun dabei, die im Prozess gemeinsam erarbeiteten Projekte schrittweise umzusetzen. Zentral dabei ist die Fortführung der Steuerungsgruppe für das Projektmanagement. Um die Bürger:innen auf diesem Weg weiterhin mitzunehmen und die Erfolge des Prozesses sichtbar zu machen, kreierte eine junge Baumkirchnerin ein eigenes Dorfentwicklungslogo, das die umgesetzten Maßnahmen kennzeichnet.
Die notwendige Ausschreibung nach dem Bundesvergabegesetz zur Planung für den Umbau der alten Volksschule zum neuen Gemeindeamt ist am Laufen. Nach Abschluss der Planung sollte der Baustart mit Anfang 2026 erfolgen.
Für die Neugestaltung des Dorfplatzes wird ein Architekturwettbewerb vorbereitet und durchgeführt. Dadurch soll ein lebendiger Dorfkern für Begegnungen geschaffen werden.
Redaktion und Rückfragen
Beate Steinlechner, E-Mail: beate.steinlechner@gmx.at
Bernhard Derfeser, E-Mail: bernhard.derfeser@tirol.gv.at
Werner Hintner, E-Mail: amtsleiter@baumkirchen.gv.at
Die Inhalte dieser Seite wurden von Beate Steinlechner und Bernhard Derfeser der Gemeinde Baumkirchen, Tirol und Ruth Buchauer von U1coop gestaltet.